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Entwicklung der ersten Wochen

Was „Entwicklung“ in den ersten Wochen wirklich heißt

Auf dieser Seite geht es um die Entwicklung in den ersten Wochen – nicht als „Plan“, den man abarbeitet, sondern als natürliche Abfolge: Schlaf, Nähe, erste Orientierung, kurze Wachphasen, Spiel und immer wieder Ruhe. Du bekommst hier eine ruhige Einordnung, was in dieser Zeit wirklich wichtig ist – und warum Stabilität oft aus dem entsteht, was unspektakulär wirkt.

Ein Welpe wächst nicht nur körperlich. Er sortiert Reize, baut Regulation auf und lernt, ob die Welt ein sicherer Ort ist. Genau deshalb schauen wir weniger auf „mehr erleben“ und mehr darauf, ob der Welpe nach Neuem wieder in Ruhe findet. Entwicklung wird nicht gemacht – sie wird ermöglicht.

Wenn du genauer sehen möchtest, wie wir diesen Rahmen im täglichen Zusammenleben gestalten – mit Rhythmus, Ruhephasen und dosierten ersten Erfahrungen – findest du hier Details zu Aufzucht & Alltag.

Großer Münsterländer Welpen

Was „Entwicklung“ in den ersten Wochen wirklich heißt

Wachstum, Nervensystem und Regulation

In den ersten Wochen passiert Entwicklung auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Der Welpe wächst körperlich, seine Sinne öffnen sich Schritt für Schritt – und sein Nervensystem lernt, Reize überhaupt zu verarbeiten. Viele schauen dabei vor allem auf sichtbare Meilensteine: wann er sicher läuft, wann er spielt, wann er „mutig“ wirkt. Für uns ist etwas anderes entscheidend: wie gut er wieder in Ruhe findet.

Regulation heißt: nach einem Eindruck wieder runterfahren können. Nähe suchen, schlafen, verdauen, neu sortieren. Ein Welpe, der das kann, baut Stabilität auf – nicht nur für den Moment, sondern für später. Daraus entstehen Belastbarkeit, Orientierung am Menschen und eine innere Ruhe, die im Alltag mehr wert ist als jede frühe „Leistung“.

Warum Ruhe Entwicklung ist (nicht Pause davon)

Ruhe ist in dieser Zeit kein Leerlauf. Ruhe ist der Moment, in dem Wachstum passiert und das Nervensystem Eindrücke einordnet. Ein Welpe lernt nicht nur im Erleben – er lernt vor allem im Verarbeiten. Darum sind klare Ruhefenster keine Nebensache, sondern Teil der Aufzucht.

Das ist auch der Grund, warum wir Reize nicht sammeln, sondern dosieren: Neue Eindrücke wirken nur dann stärkend, wenn danach wieder Sicherheit möglich ist. Wenn ein Welpe nach Neuem schlafen kann, ist das ein gutes Zeichen. Wenn er nicht mehr zur Ruhe findet, war es zu viel – selbst wenn es „harmlos“ aussah. Entwicklung entsteht dann, wenn Rhythmus, Nähe und Verarbeitung zusammenkommen.

Woche für Woche – Orientierung statt Dogma

Woche 1–2: Wärme, Nähe, Schlaf (Basis)

In den ersten beiden Wochen ist die Welt eines Welpen vor allem: Wärme, Milch, Schlaf und Körperkontakt. Er wird gehalten durch die Mutterhündin und durch die Nähe der Geschwister. In dieser Phase entsteht die Basis, die man später nicht „nachholen“ kann: Sicherheit, Rhythmus und die Fähigkeit, überhaupt in Ruhe zu wachsen. Alles, was wir hier tun, dient vor allem einem Ziel: Stabilität halten – nicht beschleunigen.

Woche 3–4: Wachphasen werden länger, erste Orientierung

Jetzt werden die Wachfenster spürbar länger. Der Welpe beginnt, sich mehr umzuschauen, gezielter zu reagieren und erste kleine Wege zu machen. Neugier taucht auf – und damit auch die Frage: Wie dosiert ist die Welt um ihn herum? In dieser Phase ist es sinnvoll, dass Neues in kleinen Portionen kommt und Vertrautes deutlich überwiegt. Orientierung entsteht nicht durch „viel“, sondern dadurch, dass der Welpe immer wieder in Sicherheit zurückkehren kann.

Ein fester Bestandteil dieser Zeit – bei jedem Wurf – ist bei uns die behutsame Prägung auf den Schuss. Um den Zeitpunkt herum, an dem sich die Gehörgänge öffnen (typisch um den 17. Lebenstag), beginnen wir mit einem kontrollierten, sehr sanften Einstieg: Für etwa eine Woche fällt einmal täglich ein Schuss mit der Schreckschusspistole im Garten, während die Tür zum Wurfzimmer geöffnet bleibt. Der Welpe erlebt das Geräusch aus der Distanz, eingebettet in den sicheren Rahmen von Mutterhündin, Wurfkiste und vertrautem Rhythmus.

Entscheidend ist dabei nicht „Härte“, sondern Zustand: Wir wollen, dass der Knall ein normaler Bestandteil der Umwelt wird – ohne Stress, ohne Hochfahren. Anfangs gibt es manchmal ein kurzes Zucken. In der Regel ist nach wenigen Tagen zu sehen, dass die Welpen das Geräusch neutral verarbeiten: Sie spielen weiter oder schlafen sogar durch. Die Mutterhündin reagiert dabei oft als Einzige aufmerksam – ruhig, souverän und orientierend. Genau diese Gelassenheit überträgt sich.

Für einen Jagdhund ist diese frühe, dosierte Gewöhnung wertvoll – nicht, um „abzuhärten“, sondern um eine Grundlage zu legen:

  • Stressresistenz: laute Geräusche werden nicht automatisch als Bedrohung gespeichert

  • Souveränität: der Hund bleibt in reizstarken Umgebungen ansprechbar

  • Vertrauen: Orientierung am Rudel und an der Situation statt Unsicherheit

So wird aus einem einzelnen Reiz kein Ereignis, sondern ein Teil von Alltag – und genau das ist der Punkt: Reize wirken nur dann stärkend, wenn danach wieder Ruhe möglich ist.

Woche 5–6: Spiel, Rangeln, erste Frustrationstoleranz

Das Spiel wird klarer, lebendiger – und manchmal auch wilder. Rangeln, Hinterherlaufen, kleine Konflikte, Versöhnung: Das ist normal und wichtig. Welpen lernen hier soziale Regeln, Körpersprache und Grenzen. Gleichzeitig zeigt sich oft zum ersten Mal, wie gut ein Welpe mit kurzen Spannungen umgehen kann: Warten, zurückstecken, wieder ansetzen. Das ist eine frühe Form von Frustrationstoleranz – nicht „Training“, sondern Entwicklung im Rudel.

Woche 7–8: mehr Außenreiz, mehr Selbstständigkeit, mehr Pause nötig

In dieser Phase nehmen Außenreize deutlich zu: Geräusche, Bewegung, neue Flächen – und der Welpe wird insgesamt selbstständiger. Genau deshalb braucht er jetzt noch klarere Ruhefenster. Viele unterschätzen das: Je mehr „Welt“ dazukommt, desto wichtiger wird die Pause. Ein Welpe, der neugierig sein darf und danach wieder sicher runterfährt, entwickelt echte Belastbarkeit. Ein Welpe, der dauerhaft „auf Sendung“ ist, wirkt vielleicht aktiv – ist aber oft schlicht übersteuert.

Diese Einteilung ist Orientierung, kein Dogma. Jeder Welpe hat sein eigenes Tempo – entscheidend ist nicht der Kalender, sondern ob er nach Neuem wieder in Ruhe findet.

Bindung, Ruhe und Alltag

Bindung entsteht nicht durch große Momente, sondern durch das, was jeden Tag verlässlich gleich bleibt: die Nähe zur Mutterhündin, vertraute Gerüche, Wärme, kleine Berührungen und wiederkehrende Abläufe. Ein Großer Münsterländer Welpe lernt in dieser Zeit vor allem eines: Die Welt ist sicher – und ich kann mich in ihr orientieren. Genau daraus wächst später das, was im Alltag wirklich trägt: Führigkeit, Vertrauen und innere Stabilität.

Wir achten deshalb darauf, dass neue Reize nicht „angehäuft“, sondern bewusst dosiert werden. Ein Welpe soll neugierig bleiben, ohne überfordert zu sein: kurze Eindrücke, ausreichend Schlaf, klare Ruhephasen. Gerade in den ersten Wochen ist Ruhe kein Nebenprodukt, sondern ein aktiver Teil der Aufzucht – weil ein Welpe in Ruhe verarbeitet, wächst und lernt.

Den konkreten Alltag dahinter (Rhythmus, Ruhephasen, erste Reize) bündeln wir auf der separaten Seite Aufzucht & Alltag.

Was du als neue Familie daraus mitnehmen kannst

Die ersten Wochen legen eine Basis, die du im neuen Zuhause nicht „neu erfinden“ musst – du kannst sie fortführen. Oft sind es genau die einfachen Dinge, die später den Unterschied machen:

  • Schlaf ist Entwicklung: Plane echte Ruhefenster ein. Ein Welpe verarbeitet im Schlaf – nicht im Dauerprogramm.

  • Wiederholung vor Variation: Lieber wenige Abläufe, die sich täglich wiederholen, als ständig neue Ideen. Sicherheit entsteht durch verlässliche Wiederkehr.

  • Kleine Übergänge statt Brüche: Neue Räume, neue Regeln, neue Reize – Schritt für Schritt. Erst stabil, dann weiter.

  • Keine Reizsammlung: Sozialisierung ist nicht „möglichst viel“. Ein Eindruck wirkt nur dann stärkend, wenn danach wieder Ruhe möglich ist.

Jeder Welpe hat dabei sein eigenes Tempo. Entscheidend ist nicht der Kalender, sondern der Zustand: Bleibt er neugierig und findet er anschließend wieder in Ruhe, bist du auf dem richtigen Weg.

Weiterführend

Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du hier die passenden Seiten im Überblick:

Aufzucht & Alltag – Rhythmus, Ruhephasen und erste Erfahrungen im täglichen Zusammenleben
Ernährung & Fütterung – wie wir den Übergang vom Säugen zur Zufütterung gestalten
Rüde oder Hündin? – Orientierung, was besser zu Alltag, Anspruch und Ziel passt
Würfe & Anfrageweg – aktuelle Würfe, Planung und wie ein Kennenlernen bei uns abläuft

Die Entwicklung in den ersten Wochen ist weniger ein „Trainingsplan“ als eine Frage von Rahmen und Zustand: Kann der Welpe nach Neuem wieder in Ruhe finden? Wenn Rhythmus, Nähe und klare Pausen stehen, entsteht Stabilität fast von selbst. Alles Weitere baut darauf auf – Schritt für Schritt, ohne Reizsammlung.