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Züchterverantwortung in der Hundezucht

Warum Auswahl manchmal Nein bedeutet

Züchterverantwortung beginnt nicht mit der Geburt eines Wurfes – sie beginnt lange davor. Und sie endet nicht mit der Abgabe eines Welpen. Wer Hunde züchtet, übernimmt Verantwortung für ein Lebewesen, für seine Entwicklung, seine Prägung und für den Platz, an dem es sein weiteres Leben verbringen wird.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie entscheidend diese Verantwortung ist. Eine Erfahrung, die mich nachhaltig geprägt hat, hat mir deutlich gemacht, dass Sympathie allein nicht ausreicht, auch nicht Begeisterung. Und schon gar nicht der Wunsch, es jedem recht zu machen.

Züchterverantwortung bedeutet deshalb auch, genau hinzusehen:
Passt der Mensch wirklich zu diesem Hund?
Passen Lebensumstände, Erfahrung und Haltung zur Rasse?
Ist das Verständnis für Wesen, Anlagen und Bedürfnisse vorhanden?

Manchmal ist die ehrliche Antwort darauf ein Ja.
Und manchmal ist sie ein Nein.

Dieses Nein richtet sich nicht gegen einen Menschen. Es schützt den Hund. Es schützt die zukünftige Entwicklung. Und es schützt das, was über Generationen aufgebaut wurde – eine stabile Linie, charakterfeste Hunde und eine verantwortungsvolle Zucht.

Heute treffe ich Entscheidungen bewusster und konsequenter als früher. Nicht aus Härte, sondern aus Verantwortung. Denn Züchterverantwortung heißt, das Wohl des Hundes über kurzfristige Wünsche oder Erwartungen zu stellen.

Basko von Heiligen Born – Großer Münsterländer Rüde am Wasser

Basko – eine Erfahrung, die mich verändert hat

Basko war ein außergewöhnlicher junger Rüde aus unserer Zucht. Von Anfang an zeigte er eine enorme Arbeitsfreude, ausgeprägte Wasserpassion und eine innere Klarheit, die man nicht häufig sieht. Er war führig, lernwillig und in seinem Wesen zugleich sensibel und stark.

Nach der Abgabe entwickelte sich sein weiterer Weg anders, als wir es uns gewünscht hätten. Basko kam nach einigen Wochen zu uns zurück – gesundheitlich angeschlagen und deutlich geschwächt. Die genauen Ursachen konnten nie abschließend geklärt werden. Was jedoch klar war: Sein Start ins neue Umfeld war nicht so verlaufen, wie es für ihn richtig gewesen wäre.

Zurück bei uns zeigte sich sehr schnell, welches Potenzial in ihm steckte. Innerhalb kürzester Zeit fand er zu seiner Kraft zurück, arbeitete mit einer Selbstverständlichkeit im Wasser, im Schilf und im Feld, als hätte er nie etwas anderes getan. Er entwickelte sich zu einem beeindruckenden jungen Jagdhund mit außergewöhnlicher Passion und Arbeitswillen.

Mit nur zehn Monaten verstarb Basko plötzlich und unerwartet. Sein Tod hat viele Fragen offen gelassen – und gleichzeitig eine Entscheidung in mir gefestigt.

Züchterverantwortung bedeutet, nicht nur das Leben eines Welpen zu begleiten, sondern auch sehr genau zu prüfen, wohin er geht. Seit Basko treffe ich meine Entscheidungen noch bewusster, noch klarer und konsequenter. Nicht jeder Wunsch nach einem Welpen führt automatisch zu einer Zusage. Nicht jede Begeisterung bedeutet auch Passung.

Basko hat mich gelehrt, dass ein ungutes Gefühl ernst genommen werden muss.
Und dass Verantwortung manchmal bedeutet, Nein zu sagen – auch wenn es im ersten Moment unbequem ist.

Basko von Heiligen Born – Großer Münsterländer apportiert Ente

Es gibt Momente im Leben eines Züchters, die man nie vergisst.
Basko war ein solcher Moment.

Was er in so kurzer Zeit gezeigt hat – an Passion, Arbeitsfreude und Charakter – hat mich tief beeindruckt. Und was ich aus seiner Geschichte gelernt habe, prägt meine Entscheidungen bis heute.

Das folgende Video erzählt Basko’s Geschichte – ruhig, ehrlich und als Grundlage für die Haltung, die heute unsere Welpenvergabe prägt.

Basko hat mir eines sehr deutlich vor Augen geführt:
Züchterverantwortung endet nicht mit der Abgabe eines Welpen.

Seit dieser Erfahrung verlässt kein Welpe mehr das Rudel, wenn ich mir nicht zu einhundert Prozent sicher bin, dass alles passt – für den Hund, für die Menschen und für den Weg, der vor ihnen liegt.

Wie wir heute prüfen, ob Mensch und Hund wirklich zueinander passen, lesen Sie hier: Rüde oder Hündin – welche passt zu mir?

Mehr über unsere Grundsätze in Aufzucht und Alltag finden Sie hier.