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Fee von Heiligen Born – 33 Wochen

Von der 19. bis zur 33. Woche –

Reifen statt früh funktionieren

Zwischen der 19. Woche und heute ist bei Fee viel geschehen – und gleichzeitig erstaunlich wenig im klassischen Sinn von Ausbildung.

Wir haben keinen Trainingsplan abgearbeitet, keine frühen Prüfungsaufgaben vorbereitet und keinen Wert darauf gelegt, dass sie mit sieben oder acht Monaten möglichst viele Dinge bereits „kann“. Fee läuft mit den älteren Hunden, sammelt Erfahrungen im Wald und am Wasser, trägt, sucht, beobachtet und findet zunehmend ihren eigenen Platz innerhalb des Rudels.

Der wichtigste Schwerpunkt ist jedoch derselbe geblieben wie schon vor einigen Monaten: Ruhe.

Nicht Ruhe als Gegenteil von Aktivität. Fee ist ein junger Großer Münsterländer mit Energie, Wasserfreude und jagdlichem Interesse. Gemeint ist die Fähigkeit, nach Aktivität wieder herunterzufahren, Eindrücke zu verarbeiten und nicht dauerhaft in Erwartung zu leben.

Wie unterschiedlich sich diese Entwicklung zeigen kann, wurde besonders deutlich, als im Juni Fees Bruder Falco – Rufname Sherlock – für einige Zeit wieder bei uns im Rudel lebte.

Fee von Heiligen Born

Weniger Ausbildung, mehr Entwicklung

Seit unserem letzten ausführlichen Entwicklungsbericht  …

…  hat Fee vor allem eines getan:  Sie durfte sich entwickeln.

Sie lief mit den erfahrenen Hunden, beobachtete, probierte aus und sammelte ihre eigenen Erfahrungen. Fast täglich waren wir am Wasser, dazu kamen Wald, Schilf, Freilauf und ganz normale Alltagssituationen. Immer wieder boten sich Gelegenheiten, in denen ihre natürlichen Anlagen sichtbar wurden – ohne dass daraus bereits ein festes Ausbildungsprogramm entstehen musste.

Genau darin liegt für mich der Schwerpunkt des ersten Lebensjahres: möglichst viele sinnvolle Erfahrungen ermöglichen, ohne jede Anlage sofort in Leistung zu verwandeln.

Fee muss mit sieben oder acht Monaten noch nicht möglichst viel „können“. Viel wichtiger ist mir, dass sie lernt, sich in ihrer Umwelt sicher zu bewegen, Reize zu verarbeiten, eigene Entscheidungen zu treffen und anschließend wieder zur Ruhe zu finden.

Ausbildung kann später sehr gezielt aufgebaut werden. Die Grundlagen, auf denen sie einmal tragen soll – Vertrauen, innere Stabilität, Eigenständigkeit und Ruhe – entstehen jetzt.

Was aus früher Wassergewöhnung inzwischen geworden ist

Noch vor wenigen Wochen haben wir hier dokumentiert, wie aus den ersten Erfahrungen am Wasser langsam selbstständige Wasserarbeit entstand.

Heute gehört das Wasser für Fee ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag.

Fee am 17.08.2026: nass, aufmerksam und mitten im Schilf.

Was vor einigen Monaten noch Prägung und erste Erfahrung war, gehört inzwischen selbstverständlich zu ihrem Alltag.

Sie geht ins Wasser, schwimmt, stöbert im Schilf und nutzt ihre Nase. Dabei geht es mir noch immer nicht darum, eine bestimmte Prüfungsarbeit vorwegzunehmen. Ich möchte sehen, was sie von sich aus anbietet und wie sie sich entwickelt.

Gerade darin liegt für mich der Unterschied zwischen Prägung und früher Ausbildung.

Prägung öffnet Möglichkeiten.

Ausbildung verlangt bereits eine bestimmte Form.

Im ersten Lebensjahr möchte ich bei Fee vor allem die Möglichkeiten offenhalten.

Als Sherlock zurückkam

Am 11. Juni 2026 kam Fees Bruder Falco, den seine Familie Sherlock nennt, für einige Zeit zurück in unser Rudel.

Beide stammen aus demselben Wurf. Beide sind gleich alt. Und trotzdem wurde sehr schnell sichtbar, wie unterschiedlich zwei Geschwister zu einem bestimmten Zeitpunkt entwickelt sein können.

Schon am ersten Tag gab es eine kleine Szene, die rückblickend wunderbar zu seiner gesamten Zeit bei uns passt.

Die Rampe am Auto war ihm zunächst überhaupt nicht geheuer.

Falco von Heiligen Born

Am ersten Tag war ihm die Rampe noch so suspekt, dass er lieber Schutz unter dem Auto suchte.

Wir haben daraus kein großes Thema gemacht. Er bekam Zeit, konnte die anderen Hunde beobachten und musste die Situation nicht unter Druck lösen.

Wenig später gehörte Sherlock zu den Ersten, die selbstverständlich über die Rampe ins Auto liefen.

Genau solche kleinen Alltagssituationen interessieren mich bei jungen Hunden besonders. Nicht, wie schnell ich ihnen etwas beibringen kann, sondern wie sich Unsicherheit verändert, wenn der Hund beobachten, ausprobieren und selbst Sicherheit gewinnen darf.

Sherlock und das Wasser – fünf Tage, die viel zeigen

Noch deutlicher wurde diese Entwicklung am Wasser.

Sherlock hatte von Beginn an großes Interesse. Er wollte hin, beobachtete und war neugierig.

Aber er konnte noch nicht sicher schwimmen.

Interesse war da – Sicherheit noch nicht

Man konnte sehr schön sehen, dass es nicht an fehlender Wasserfreude lag. Die Motivation war vorhanden. Was noch fehlte, war die Sicherheit, den Boden wirklich zu verlassen.

Und genau das ist für mich ein wichtiger Unterschied.

Nicht jedes Zögern bedeutet fehlende Anlage.

Manchmal bedeutet es schlicht: Noch nicht.

Am zweiten Tag kamen die ersten Schwimmbewegungen

Schon am zweiten Tag veränderte sich etwas.

Er begann, die ersten Schwimmzüge zu machen. Noch nicht selbstverständlich und noch nicht völlig sicher – aber die Grenze war bereits kleiner geworden.

Wir mussten ihn dafür nicht ins Wasser setzen und nicht überreden. Er bekam erneut die Möglichkeit, selbst herauszufinden, was funktioniert.

Am fünften Tag kam der Durchbruch

Am fünften Tag wurde besonders deutlich, wie schnell sich ein junger Hund entwickeln kann, wenn Interesse, Wiederholung und Sicherheit zusammenkommen.

Sherlock zeigte inzwischen nicht nur deutliches Interesse am Wasser, sondern auch große Freude am Tragen. Den Dummy nahm er bereitwillig auf und brachte ihn zurück. Dabei ging es mir nicht um eine perfekte Apportierübung, sondern darum zu beobachten, was er von sich aus anbietet: aufnehmen, tragen, zurückkommen und Freude an der Aufgabe haben.

Nur wenig später folgte der nächste Schritt.

Cali schwamm hinaus, und Sherlock folgte ihr.

Damit war die Unsicherheit, die man an den ersten Tagen noch deutlich sehen konnte, weitgehend überwunden. Von diesem Zeitpunkt an schwamm er täglich.

Gerade diese beiden Videos vom fünften Tag erzählen für mich sehr viel. Innerhalb weniger Tage war aus vorsichtigem Interesse deutlich mehr Sicherheit geworden. Sherlock brauchte dafür keinen Druck und kein großes Trainingsprogramm. Er brauchte Erfahrungen, Wiederholung und ein erfahrenes Vorbild.

Anlage, Vertrauen, Vorbild und Zeit – manchmal reicht genau das, damit aus einem „Noch nicht“ plötzlich ein selbstverständliches „Ich kann“.

Das Rudel als Lehrer

Anlage, Erfahrung, Vorbild und Zeit.

Seine Mutter musste Sherlock das Schwimmen nicht „beibringen“. Cali ging einfach vor, und genau darin lag ein großer Teil des Lernens.

Dieses Video zeigt sehr schön, wie viel junge Hunde allein durch Mitgehen und Beobachten aufnehmen. Cali bewegt sich selbstverständlich durchs Wasser, Fee und Sherlock folgen ihr. Niemand erklärt etwas, niemand korrigiert, niemand fordert eine bestimmte Leistung ein. Die beiden Jungspunde orientieren sich an der erfahrenen Hündin und sammeln dabei ihre eigenen Erfahrungen.

Gerade junge Hunde lernen im Alltag unglaublich viel von älteren Hunden. Nicht nur durch Nachahmung, sondern auch durch deren Ruhe, Selbstverständlichkeit und klare Reaktionen.

Zum Lernen im Rudel gehören deshalb mehrere Seiten:

  • beobachten und folgen,
  • Sicherheit an erfahrenen Hunden gewinnen,
  • eigene Entscheidungen treffen,
  • Grenzen akzeptieren,
  • und auch einmal eine deutliche Rückmeldung bekommen, wenn es zu viel wird.

Bei Sherlock war das besonders interessant. Er bekam deutlich mehr Ansagen von den erwachsenen Hunden als Fee.

Vor allem Aika und seine Mutter Cali setzten ihm klare Grenzen. Bella hielt sich dabei eher zurück.

Das bedeutete nicht, dass Sherlock schlecht in das Rudel passte. Im Gegenteil: Er integrierte sich schnell. Aber er brachte mehr Dynamik mit und benötigte deshalb auch mehr Rückmeldung aus dem Rudel.

Gerade im direkten Vergleich mit Fee wurde dadurch sichtbar, wie unterschiedlich zwei gleichaltrige Geschwister bereits entwickelt sein können.

Freude am Tragen – ohne daraus schon eine Prüfung zu machen

Sherlock zeigte zudem eine ausgeprägte Freude am Dummy.

Er nahm ihn gern auf und trug ihn mit sichtbarer Begeisterung.

Auch hier interessiert mich in diesem Alter zunächst weniger die perfekte Ausführung als die Frage:

Was bringt der Hund selbst mit?

Nimmt er gern auf?

Trägt er freiwillig?

Bleibt er mit seiner Aufgabe verbunden?

Zeigt er Freude an der Zusammenarbeit?

Solche Anlagen möchte ich sehen und erhalten, bevor später daraus eine sauber aufgebaute Arbeit entsteht.

Viel Energie – und trotzdem gut ansprechbar

Sherlock hatte deutlich mehr Dynamik als Fee. Gleichzeitig war er keineswegs ein Hund, der einfach nur „sein Ding machte“.

Er reagierte bereits ausgesprochen gut auf den Rückpfiff.

Dieses Video gehört deshalb unbedingt in die Geschichte.

Denn sonst könnte aus dem Vergleich mit Fee schnell ein falsches Bild entstehen: Fee ruhig, Sherlock schwierig.

So war es nicht.

Sherlock war lernfreudig, führbar, trug gern und machte innerhalb kürzester Zeit große Entwicklungsschritte. Er benötigte lediglich in einem Bereich deutlich mehr Unterstützung als Fee:

beim Herunterfahren.

Zwei Geschwister – und trotzdem zwei individuelle Hunde

Wenn man Fee und Sherlock gemeinsam laufen oder am Wasser erlebt, fallen zunächst vor allem ihre Gemeinsamkeiten auf. Beide sind junge Große Münsterländer mit viel Bewegungsfreude, Neugier und deutlichem Interesse an Wasser, Suche und Tragen.

Im direkten Vergleich wurde jedoch deutlich, dass sie sich in ihrer inneren Entwicklung zu diesem Zeitpunkt nicht an derselben Stelle befanden. Fee konnte nach Aktivität bereits leichter wieder abschalten und fand schneller zurück in die Ruhe. Wie sich diese Fähigkeit bei ihr entwickelt hat und warum wir Ruhe im Welpenalter bewusst geschützt haben, haben wir bereits ausführlich im Beitrag „Ruhe beim Welpen“ beschrieben. Sherlock benötigte zu diesem Zeitpunkt noch mehr äußeren Rahmen, klarere Begrenzung und Unterstützung.

Gemeinsam aktiv – zum Schlafen getrennt

Besonders deutlich wurde der Unterschied zwischen Fee und Sherlock in den Ruhephasen. Gemeinsam konnten sie laufen, schwimmen, spielen und ihre Umwelt erkunden. Sobald es jedoch darum ging, wirklich zur Ruhe zu kommen und zu schlafen, mussten beide konsequent voneinander getrennt werden.

Blieben sie zusammen, entstand schnell wieder neue Dynamik. Einer reagierte auf die Bewegung des anderen, aus einem kurzen Blick wurde die nächste Aktion, und aus einer vermeintlichen Ruhephase entwickelte sich erneut Beschäftigung. Deshalb wurden Fee und Sherlock zum Schlafen bewusst getrennt – nicht als Strafe, sondern damit echte Erholung überhaupt möglich wurde.

Diese Beobachtung knüpft an unseren Beitrag „Ruhe beim Welpen“ an, führt das Thema jedoch einen Schritt weiter. Damals ging es bei Fee zunächst darum, ausreichend Schlaf zu ermöglichen und geschützte Ruhebedingungen zu schaffen.

Heute zeigt sich die nächste Entwicklungsstufe. Ruhe bedeutet nicht mehr nur, schlafen zu können. Sie bedeutet zunehmend auch, Erwartung auszuhalten, abzuwarten, nicht auf jeden Reiz zu reagieren und nach Aktivität wieder in einen ruhigen Zustand zurückzufinden.

Das ist keine Bewertung darüber, welcher der beiden Hunde „besser“ entwickelt ist. Vielmehr zeigt es, wie individuell junge Hunde reifen. Selbst Geschwister mit ähnlichen Anlagen können unterschiedliche Bedürfnisse haben und sich in einzelnen Entwicklungsbereichen zu einem bestimmten Zeitpunkt deutlich voneinander unterscheiden.

FEE HEUTE – RUHE TROTZ TEMPERAMENT

Fee von Heiligen Born

Fee ist nicht ruhiger geworden, weil es ihr an Temperament oder jagdlicher Passion fehlt. Im Gegenteil: Sie bewegt sich draußen mit großer Selbstverständlichkeit, läuft weit, stöbert, schwimmt, sucht und nimmt ihre Umwelt sehr aufmerksam wahr.

Der Unterschied liegt heute an einer anderen Stelle. Fee kann zunehmend besser zwischen Aktivität und Ruhe wechseln. Sie darf draußen lebendig, neugierig und arbeitsfreudig sein, ohne anschließend dauerhaft in dieser Erregung zu bleiben.

Aktivität darf Aktivität sein. Danach darf wieder Ruhe entstehen.

Genau diese Fähigkeit halte ich für eines der wichtigsten Entwicklungsziele im ersten Lebensjahr: nicht möglichst wenig Energie zu haben, sondern lernen zu können, mit der eigenen Energie umzugehen und nach aufregenden Situationen wieder in einen ruhigen Zustand zurückzufinden.

Warum wir mit Fee noch immer nicht „richtig trainieren“

Mit Fee könnte man inzwischen sehr viel machen. Sie zeigt ausgeprägte Wasserfreude, Suchanlage, Bringefreude und eine zunehmende Eigenständigkeit. Es wäre deshalb leicht, aus diesen Anlagen schon jetzt ein umfangreiches Ausbildungsprogramm zu entwickeln.

Genau das tun wir bewusst noch nicht.

Fee läuft mit, sammelt Erfahrungen und darf ausprobieren. Sie beobachtet die älteren Hunde, orientiert sich an ihnen und bekommt dort klare Grenzen, wo sie sie braucht. Gleichzeitig gibt es immer wieder Phasen, in denen von ihr gar nichts verlangt wird.

Gerade diese Möglichkeit, nichts tun zu müssen, ist für mich ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung.

Die eigentliche jagdliche Ausbildung hat Zeit. Im ersten Lebensjahr geht es mir nicht darum, möglichst früh einen fertigen Hund zu haben. Viel wichtiger ist mir, dass Fee lernt, ihre Anlagen zu nutzen, ohne dauerhaft in Erwartung zu leben.

Mein Ziel ist ein junger Hund, der später mit Freude und Konzentration arbeiten kann – und ebenso selbstverständlich wieder zur Ruhe findet, wenn die Arbeit vorbei ist.

Was die Wochen zwischen 19 und 33 Wochen gezeigt haben

Wenn ich die vergangenen Monate zusammenfasse, liegt Fees größter Entwicklungsschritt nicht in einer bestimmten Übung oder in einer einzelnen Leistung. Entscheidend ist vielmehr, wie sich verschiedene Fähigkeiten zunehmend miteinander verbinden.

Eigenständigkeit und Rückbindung.
Arbeitsfreude und Ruhe.
Erfahrung und Verarbeitung.

Sherlocks Besuch hat diesen Blick noch einmal geschärft. Innerhalb weniger Tage wurde sichtbar, wie schnell ein junger Hund lernen kann: die Rampe, das Wasser, das Tragen des Dummys, der Rückpfiff. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass gute Anlagen und schnelle Lernfortschritte nicht automatisch bedeuten, dass ein Junghund nach Aktivität ebenso leicht wieder abschalten kann.

Fee zeigt heute sehr deutlich, dass Ruhe kein Gegensatz zu jagdlicher Passion ist. Im Gegenteil: Gerade ein Hund, der mit Freude und Intensität arbeitet, braucht die Fähigkeit, danach wieder loszulassen und in einen ruhigen Zustand zurückzufinden.

Denn Entwicklung zeigt sich für mich nicht nur darin, was ein junger Hund leisten kann. Sie zeigt sich ebenso darin, wie gut er Erlebtes verarbeitet, wie sicher er zwischen Aktivität und Ruhe wechseln kann und wie selbstverständlich er nach außen gerichteter Arbeit wieder bei sich ankommt.

Genau deshalb bleibt unser Schwerpunkt im ersten Lebensjahr derselbe:

Wir möchten Fee nicht möglichst früh fertig machen. Wir möchten ihr Zeit geben, wirklich zu reifen.