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Westmarks Bella – eine Spur bis VON HEILIGEN BORN

Von der ersten „vorm Walde“-Siegerin 1925 bis zu Devi und unseren heutigen Hunden

Ein Beitrag des Verbandes auf Facebook über Westmarks Bella machte mich neugierig. Ich kannte den Namen, aber diesmal fragte ich mich plötzlich etwas ganz anderes: Taucht diese Hündin, die vor mehr als hundert Jahren lebte, irgendwo in der Ahnengeschichte meiner eigenen Hunde auf?

Also begann ich nachzusehen. Zuerst nur aus Interesse. Dann führte eine Verbindung zur nächsten – und irgendwann lag tatsächlich eine nachvollziehbare Spur bis zu Devi vom Jägerweg vor mir.

Genau daraus ist dieser Beitrag entstanden. Westmarks Bella ist eine historische genealogische Vorfahrin in der Geschichte von VON HEILIGEN BORN. Und zugleich ist eine Unterscheidung wichtig: Diese Verbindung ist keine direkte Mutterlinie. Der Weg führt mehrfach über Rüden.

Westmarks Bella ZGM 46

Westmarks Bella wurde am 25. Juni 1922 geboren. Ihr Vater war Waldo von Marbeck ZGM 3, ihre Mutter Hella Hoheleige ZGM 8. Züchter, Eigentümer und Führer war Lehrer A. E. Westmark aus Recklinghausen.

Schon ihre überlieferten Leistungen aus den Jahren 1923 und 1924 zeigen, dass Bella nicht irgendeine Hündin der frühen Population war. Nach den vom Verband überlieferten historischen Angaben erreichte sie unter anderem einen II. Preis auf der VJP 1923, einen 2. Preis bei einer DL-Jugendsuche in Havixbeck, mehrere sehr gute Ergebnisse auf Gebrauchssuchen im Jahr 1924 sowie Ausstellungsbewertungen mit ‚vorzüglich‘. Für einzelne dieser frühen Ergebnisse liegen mir bislang nicht sämtliche zeitgenössischen Originallisten vor. Deshalb behandle ich sie bewusst als historische Verbandsüberlieferung und nicht als vollständig neu verifizierte Einzelnachweise.

Anders ist es bei dem Ereignis, mit dem ihr Name dauerhaft verbunden blieb: dem Sieg bei der ersten ‚vorm Walde‘-Zuchtausleseprüfung 1925.

1925 – die erste „vorm Walde“

Die erste ‚vorm Walde‘-Zuchtausleseprüfung wurde 1925 in Oer nicht an einem einzigen Tag durchgeführt, sondern in zwei Teilen. Am 19. September 1925 standen Feld- und Wasserarbeit im Mittelpunkt. Am 24. Oktober 1925 folgten Waldarbeit, Raubzeugarbeit und Verlorenbringen.

Westmarks Bella wurde Siegerin dieser ersten Prüfung. Damit steht ihr Name an einem ganz besonderen Punkt der Geschichte des Großen Münsterländers. Die ‚vorm Walde‘ entwickelte sich zu einer der traditionsreichsten Zuchtausleseprüfungen der Rasse. Wer heute historische Prüfungslisten, Zuchtbücher und alte Berichte liest, begegnet dort nicht nur Ergebnissen. Man sieht, wie früh versucht wurde, Leistung, Gebrauchstauglichkeit und züchterische Auswahl miteinander zu verbinden.

Die Bezeichnung ‚Zuchtausleseprüfung‘ sagt dabei viel über den damaligen Anspruch. Feld, Wasser und Wald wurden nicht getrennt als beliebige Einzelaufgaben betrachtet, sondern als Teile eines vielseitigen Jagdhundes. Gerade für die frühe Entwicklung des Großen Münsterländers war das bedeutsam: Gebrauchseigenschaften sollten nicht nur beschrieben, sondern unter Prüfungsbedingungen miteinander verglichen werden. Bellas Sieg dokumentiert, dass sie in einem frühen Auswahlverfahren an der Spitze stand, das auf die weitere züchterische Entwicklung der Rasse ausgerichtet war.

Auch die zeitliche Nähe ist bemerkenswert. Bella war 1925 gerade drei Jahre alt. Hinter ihr lagen bereits mehrere überlieferte Prüfungs- und Ausstellungserfolge. Das ergibt das Bild einer Hündin, die nicht erst durch den späteren Rückblick Bedeutung erhielt, sondern schon zu Lebzeiten im frühen Verbandsumfeld auffiel.

A. E. Westmark: Lehrer, Schriftführer, Hundeführer und Autor

Auch Bellas Führer gehört zur frühen Geschichte der Rasse. A. E. Westmark ist als Lehrer aus Recklinghausen dokumentiert. Er gehörte zum frühen Kreis des 1919 gegründeten Vereins und wird als Schriftführer genannt. 1925 führte er Bella bei der ersten ‚vorm Walde‘.

Zwei Jahre später veröffentlichte er den Fachbeitrag „Vom Werdegang des niederdeutschen Spürhundes, besonders des schwarzweißen Münsterländers“. Der Text zeigt, dass Westmark sich nicht nur praktisch mit den Hunden beschäftigte, sondern sich auch publizistisch mit ihrer Entwicklung auseinandersetzte.

Bei seiner Biografie bleiben allerdings Lücken. Die ausgeschriebenen Vornamen hinter ‚A. E.‘, sein Geburts- und Sterbedatum, die konkrete Schule und sein Sterbeort sind bislang nicht abschließend geklärt. Auch deshalb gebe ich hier nur das wieder, was belastbar belegt ist.

Für die historische Einordnung ist sein Beitrag von 1927 trotzdem wichtig. Er entstand nur wenige Jahre nach der Vereinsgründung und zwei Jahre nach Bellas Sieg. Den vollständigen Text gebe ich hier bewusst nicht wieder; solange Westmarks Sterbedatum ungeklärt ist, bleibt auch die urheberrechtliche Schutzfrist seines Artikels nicht abschließend berechenbar.

Wie die Spur zu meinen eigenen Hunden führte

Mit Westmarks Bellas Geschichte vor Augen wollte ich nun wissen, wohin diese Spur führt. Gibt es tatsächlich eine Verbindung bis zu meiner eigenen Zucht?

In alten Pedigrees genügt es nicht, gleiche Zwingernamen zu sehen oder eine bekannte Hündin irgendwo im Hintergrund zu finden. Jede Eltern-Kind-Verbindung muss einzeln nachvollzogen werden. Und man muss sauber zwischen einer allgemeinen genealogischen Abstammung und einer direkten Mutterlinie unterscheiden.

Die nachvollziehbare Kette führt tatsächlich von Bella bis zu Devi vom Jägerweg, der Stammmutter meines Zwingers.

Ich bin dabei nicht von Devi rückwärts einfach auf bekannte Namen gesprungen, sondern habe die Eltern-Kind-Verbindungen Schritt für Schritt geschlossen. Historische Datenbanken waren eine wichtige Navigationshilfe; wo spätere Verbandsquellen, archivierte Pedigrees oder Zuchtbuchangaben vorhanden sind, haben sie für mich das größere Gewicht. So bleibt sichtbar, was sich sicher verbinden lässt – und wo eine Lücke offenbleibt.

Der genealogische Weg von Bella bis Devi

Ein Detail war bei dieser Rekonstruktion besonders wichtig: Westmarks Zella ist die Mutter von Westmarks Karlo. Bellas Weg zu Karlo läuft aber nicht über Zella, sondern über Karlos Vater Westmarks Peter. Solche scheinbar kleinen Unterschiede entscheiden darüber, ob eine genealogische Aussage korrekt ist oder ob zwei Linien versehentlich miteinander vermischt werden.

Devi vom Jägerweg, Große Münsterländer-Hündin und Stammmutter von Heiligen Born
Devi vom Jägerweg – die Brücke von der historischen Spur zu meiner eigenen Zucht.

Wichtige Einordnung: Vorfahrin ist nicht dasselbe wie direkte Mutterlinie

Eine direkte Mutterlinie bedeutet streng: Hündin → Tochter → Tochter → Tochter, ohne Unterbrechung durch einen Rüden.

Bei Bellas Weg zu Devi steht aber schon sehr früh ihr Sohn Westmarks Illo. Später folgen weitere Rüden. Bella bleibt damit selbstverständlich genealogische Vorfahrin. Aber sie ist nicht die Stammmutter unserer direkten Mutterlinie.

Unsere eigene direkte weibliche Linie habe ich auf der Seite „Mutterlinie – von Devi bis heute“ gesondert dokumentiert. Genau diese Trennung zwischen allgemeinem Pedigree und ununterbrochener Hündinnenlinie ist für seriöse Zuchtgeschichte entscheidend.

Bellas direkte weibliche Linie: Was wissen wir heute?

Auch diese Frage habe ich getrennt betrachtet. Der sichere Anfang lautet:

Westmarks Bella → Westmarks Heila → Westmarks Kleta

Von Kleta aus verzweigt sich die weibliche Nachkommenschaft weiter. Für die Frage der direkten Mutterlinie interessieren davon ausschließlich die Töchter, denn nur sie können eine ununterbrochene Hündin-Tochter-Folge fortsetzen.

Besonders wichtig ist bislang ein Ast über Westmarks Rita. Diese Spur lässt sich in reiner Hündinnenfolge weiterführen über Westmarks Zita, Erra vom Chiemgau, Westmarks Quelle, Bolkers Centa bis zu Christa von Irmenloh in den 1950er Jahren. Daneben zeigen auch andere Kleta-Töchter, dass die weibliche Familie keineswegs schon unmittelbar nach Bella endete. Westmarks Pria lässt sich mindestens bis Balli vom Ruhrland weiterverfolgen, und auch bei Amsel vom Ruhrland ist eine weibliche Fortsetzung dokumentiert.

Weitere weibliche Äste sind noch nicht vollständig bis zu ihren Endpunkten geschlossen. Deshalb wäre es derzeit falsch zu schreiben, Bellas direkte Mutterlinie sei nachweislich ausgestorben. Genauso falsch wäre die Behauptung, sie bestehe sicher bis heute fort.

Offen bleibt also, ob Bellas ununterbrochene Hündinnenlinie heute noch existiert.

Von Devi zu VON HEILIGEN BORN

Mit Devi wird aus der historischen Spur meine eigene Geschichte. Sie wurde die Stammmutter meines Zwingers und steht am Beginn der Linie, die ich seit Jahren begleite und dokumentiere.

Von Devi führt ein Zweig zu Aika von Heiligen Born. Ein weiterer führt zu Cali von Heiligen Born und von Cali weiter zu Fee von Heiligen Born.

Devi vom Jägerweg mit ihrer Tochter Aika von Heiligen Born
Devi mit ihrer Tochter Aika – zwei Generationen von Heiligen Born.

Genau hier bekommt die Recherche für mich ihre besondere Bedeutung. Zwischen Westmarks Bella und meinen Mädels liegen mehr als hundert Jahre Zuchtgeschichte, viele Generationen, viele Zwinger, viele Entscheidungen und zahlreiche Hunde. Trotzdem lässt sich ein konkreter Abstammungsweg nachvollziehen.

Das bedeutet nicht, dass man daraus ohne genetische Segmentanalyse Aussagen über einzelne heute vorhandene DNA-Abschnitte ableiten könnte. Deshalb verwende ich bewusst den präzisen Begriff genealogische Vorfahrin. Er sagt genau das, was sich aus einem Pedigree belegen lässt, und nicht mehr.

Fee von Heiligen Born, Große Münsterländer-Hündin der heutigen Linie von Heiligen Born
Fee von Heiligen Born – eine heutige Generation dieser Linie.

Was historische Pedigreearbeit sichtbar machen kann

Zuchtgeschichte ist für mich nicht nur eine Ansammlung alter Namen. Wer lange genug in Zuchtbüchern und Pedigrees arbeitet, erkennt, wie stark die heutige Population auf Entscheidungen früherer Generationen aufbaut. Manche Hunde verschwinden aus dem direkten Blick und bleiben trotzdem genealogisch Teil vieler späterer Linien. Andere prägen eine direkte Mutterfamilie über Jahrzehnte.

Westmarks Bella verbindet beides auf eine besonders anschauliche Weise: Ihre eigene direkte weibliche Linie ist noch nicht bis in die Gegenwart abschließend geklärt. Gleichzeitig ist ein anderer genealogischer Weg von ihr bis zu Devi und damit in die Geschichte von VON HEILIGEN BORN nachvollziehbar.

Dabei geht es mir nicht darum, aus jedem historischen Namen eine Legende zu machen. Im Gegenteil. Je weiter man zurückgeht, desto wichtiger wird es, zwischen gesichertem Befund, späterer Überlieferung und offener Frage zu unterscheiden. Eine Lücke darf eine Lücke bleiben. Gerade das macht die Geschichte glaubwürdig.

Für mich ist Westmarks Bella deshalb nicht plötzlich ‚unsere Stammmutter‘. Das wäre genealogisch falsch. Aber sie ist etwas ebenso Spannendes: eine konkret nachvollziehbare historische Vorfahrin in der Geschichte meiner Hunde.

Eine Spur durch mehr als hundert Jahre

Auf Westmarks Bella bin ich nicht gestoßen, weil ich nach einer berühmten Vorfahrin für meine Hunde gesucht habe. Ein Beitrag des Verbandes machte mich neugierig. Ich wollte einfach wissen, ob diese Hündin von 1922 irgendwo in der Ahnengeschichte meiner eigenen Linie auftaucht.

Aus dieser kleinen Frage wurde eine Reise durch mehr als hundert Jahre Zuchtgeschichte. Heute lässt sich eine konkrete genealogische Spur bis zu Devi vom Jägerweg nachvollziehen – und damit bis zu VON HEILIGEN BORN.

Gerade das fasziniert mich an alten Pedigrees: Manchmal beginnt alles mit einem Namen. Und plötzlich verbindet sich die frühe Geschichte einer Rasse mit den Hunden, die heute neben uns leben.